Berlin, 15.02.2010 (KAP) Die Kirchen haben beim Ökumenischen Empfang aus Anlass der 60. Berlinale den Film als Kunstform gewürdigt. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, betonte am Sonntagabend in Berlin, dass die langjährige Teilnahme der Kirche an den Festspielen durch eine unabhängige ökumenische Jury nicht formal sei, sondern einer hohen Wertschätzung entspringe.
Fürst - er ist auch deutscher "Medienbischof" - erinnerte daran, dass die internationale katholische Filmorganisation "Signis" 1954 (damals noch OCIC) die erste unabhängige Jury der Berlinale stellte.
Nachdem 1963 die evangelische Organisation "Interfilm" hinzutrat, vereinigten sich beide 1992 zur heutigen Ökumenischen Jury. Die Kirchen würdigten Anstöße, die helfen, die Welt friedlicher und gereichter zu machen und auf ihre Weise die Botschaft Jesu umsetzten, so Fürst.
Die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bahr, sagte, das Filmschaffen eröffne "Räume des Unverfügbaren" und übe damit auch einen eigenen Einfluss auf Religion und Theologie aus. Viele Filme verlangten theologisch versierte Zuschauer. Als Beispiel führte sie den Film-Klassiker "Metropolis" von Fritz Lang an, der zur Eröffnung der Festspiele in einer wiederhergestellten Originalfassung vor dem Brandenburger Tor aufgeführt wurde.
Aus Anlass des 60-Jahr-Jubiläums der Berlinale zeichneten die Kirchen den Filmwissenschaftler Thomas Koebner mit einem Sonderpreis aus. Der 69-jährige Autor zahlreicher Fachpublikationen habe maßgeblich dazu beigetragen, "den ästhetischen Reichtum des Films zu vermitteln", betonte der Berliner Filmwissenschaftler Hans Helmut Prinzler in seiner Laudatio.
"Längst ein kulturelles Leitmedium"
Koebner beklagte, dass es nach wie vor eine "kategorische Verachtung" des Films als Kunstform im konservativen deutschen Bildungsmilieu gebe. Zugleich sei aber auch der Einfluss eines aristokratischen Kunstverständnisses des deutschen Philosophen der "Frankfurter Schule", Theodor W. Adorno, für diese Geringschätzung mitverantwortlich. Es sei offenbar aussichtslos, den Film als Schulfach zu etablieren, obgleich er längst ein kulturelles Leitmedium sei.
Koebner war bis 2007 Professor am Institut für Filmwissenschaft und Mediendramaturgie der Universität Mainz und Gründer des Instituts.
Davor lehrte er in München, Köln, Wuppertal und Marburg. Von 1972 bis 1973 war er Filmbeauftragter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, 1989 bis 1992 Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.
Auf dem Empfang stellten sich auch die sechs Mitglieder der Ökumenischen Jury der Berlinale 2010 vor. Die Jury unter dem Vorsitz von Werner Schneider-Quindeau, Vizepräsident der internationalen kirchlichen Filmorganisation "Interfilm", verleiht zum Abschluss des Festivals Preise an Filme des Wettbewerbs, des Internationalen Forums des jungen Films und des Panoramas. Forums- und Panorama-Preis sind von der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD mit jeweils 2.500 Euro dotiert.
