Berlin, 29.06.10 (KAP) Das Internet ist nach Meinung von Abtprimas Notker Wolf ein sehr wichtiges Medium für die katholischen Orden geworden. "Das ist heute ein Forum, über das junge Menschen zu uns finden", sagte der weltweit höchste Repräsentant der Benediktiner in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstag) und betonte die Relevanz von "upgedateten" Webseiten. Zugleich beklagte Wolf im Hinblick auf die Berichterstattung über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche eine "fast vollständige Eroberung der Öffentlichkeit durch die Medien": Dabei seien übliche Regeln wie die Unschuldsvermutung oder die Unterscheidung der Schwere von Vergehen völlig über den Haufen geworfen worden.
Dennoch müsse die Kirche lernen, mit dem Informationszeitalter umzugehen, so Wolf. Es handle sich um die Eingewöhnung in die "extrem rasche Entwicklung unserer globalen Gesellschaft, wo vernünftiges Abwägen sehr schwierig geworden ist, weil gleich alles öffentlich wird", betonte der Abtprimas. Er verglich die Auswirkungen des Informationszeitalters auf die Kirche mit dem Verlust des Kirchenstaates im 19. Jahrhundert: "Der Herrgott nimmt uns von Zeit zu Zeit immer wieder etwas weg, damit wir wieder vernünftig werden."
Notwendig im Umgang mit den digitalen Medien sei eine Kultur des Maßhaltens, sagte der Benediktiner. Gegenüber den Verführungen der digitalen Gesellschaft müsse jeder einzelne Ordensmann lernen, Prioritäten zu setzen und eigene Entscheidungen zu treffen. Auch ein Abt im Kloster könne nicht kontrollieren, wie die Ordensleute mit dem Internet umgingen.
